Notfallseelsorger: Wenn der Tod zum Alltag gehört

Das Leitungsteam der Notfallseelsorger des Landkreises Sigmaringen möchte mit seiner Arbeit den Menschen helfen: Franz Gnant (hintere Reihe von links), Bernd Weinmann und Winfried Fritz mit den Kollegen Elke Gehrling und Edwin Müller (vordere Reihe von links). (Foto: Anne Laaß)

In der Schwäbischen Zeitung vom 28.10.2020 erschien folgender Artikel von Anne Laaß:

Ein tragisches Ereignis, wie der tödliche Badeunfall in Pfullendorf vor ein paar Monaten, gehört zum Alltag der Notfallseelsorger des Landkreises Sigmaringen. Die pädagogisch ausgebildeten Ehrenamtlichen haben sich aus unterschiedlichen Gründen entschieden, auf diese Weise ihren Dienst an der Gesellschaft zu leisten.

Über die einzelnen Einsätze sprechen sie grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit, um die Persönlichkeitsrechte zu wahren und die Schweigepflicht einzuhalten. Das Leitungsteam der Notfallseelsorger erzählt aber im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, was ihnen diese Arbeit abverlangt und wie die Akkus wieder aufgeladen werden.

Zu fünft sind sie für die Organisation der Sigmaringer Einheit verantwortlich und haben sie mit aufgebaut. Jeder von ihnen hat ähnliche Gründe, sich für diese Laufbahn zu entschieden zu haben. Winfried Fritz zum Beispiel beschreibt eindrücklich, wie es für ihn als Krankenpfleger ohne das Angebot der Notfallseelsorger war. „Polizisten, Rettungsdienstmitarbeiter oder das Krankenhauspersonal hatten niemanden, mit dem sie über traumatische Ereignisse sprechen konnte, untereinander bei einem Kaffee vielleicht, aber nicht mehr“. Seine Kollegin Elke Gehrling brachte indessen eine philosophische Frage dazu: Im Film der Hauptmann von Köpenick, heißt es: Was hast du gemacht?. Sie wolle für sich sagen: „Ich war da und habe den Menschen etwas zurückgeben“.

Gerufen werden die Notfallseelsorger in Notfällen und Krisensituationen. Sie helfen, den ersten Schock zu überwinden, sind Teil der Rettungsdienste des Landkreises und der Feuerwehr zugeordnet. Sie sehen sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Seelsorgeangeboten, sondern viel eher als Ergänzung. Die Alarmierung verläuft daher über die Leitstelle gemäß der Alarm- und Ausrückeordnung, der Bereitschaftsdienst macht sich unter Nennung eines Stichwortes auf den Weg zum Einsatzort. Zu den Aufgaben gehört dann auch die sogenannte Totenwache. „Es ist wichtig, dass den Menschen ein würdevoller Umgang ermöglicht wird und er in dieser Zeit nicht allein war“, erklärt Fritz. Im Gespräch mit den Angehörigen könne so gesagt werden, dass der Verstorbene während der Unfallaufnahme jemanden hatte, der ihm zur Seite stand.

Möglich sind solche Aufgaben durch professionelles Arbeiten. Die Notfallseelsorger haben hohe Voraussetzungen. Neben einer mehrjährigen Ausbildung, gibt es für die Ehrenamtlichen immer wieder Weiterbildungen und Schulungen in verschiedenen Bereichen, die individuell ausgesucht werden können. Die Qualifikationen reichen von der Psychotraumatologie bis hin zur Pädagogik und einem Kurzpraktikum in der Klinikseelsorge. Damit erfüllen sie Standards in den Bereichen der theologisch-seelsorgerlichen und psychologisch-therapeutischen Ausbildung. Das Sigmaringer Team ist somit für die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) zuständig. Dieser Begriff ist bundesweit mit der Arbeit der Notfallseelsorger verbunden. Neben der Betreuung der Betroffenen gehören auch die Unterstützung der Einsatzkräfte durch das SbE-Team (stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen) und Schulungen der Sektion Einsatzkräfteschulung zum Tätigkeitsfeld der Sigmaringer.

„Wir sind gedanklich auf den Einsatz vorbereitet“, sagt Franz Gnant, der ebenfalls von Beginn an den Notfallseelsorgern angehört. Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren habe ihm gezeigt, dass es Sinn habe, was er da mache. Das Team sei immer versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Sein Kollege Bernd Weinmann betont zudem, dass es wichtig ist, zwischen Mitfühlen und Mitleid zu unterscheiden, auch seien die Aufgaben untereinander immer klar verteilt. „Wir treten als eine Einheit auf“, so Fritz und erhält ein zustimmendes Nicken seiner Kollegen. So halte man auch zusammen: Falls ein Mitglied wegen eines Einsatzes seinen Dienst nicht ausüben kann, springt ein anderer ein. Jeder einzelne von ihnen hat Wege gefunden, mit der emotionalen Komponente des Ehrenamtes zurechtzukommen. Reden, Sport und viele weitere Aktivitäten helfen den Notfallseelsorgern, um die Akkus aufzuladen. „Es ist wichtig, dass man auch aufeinander achtet“, so Gnant. Zwischen sechs bis acht Wochen ist jeder Ehrenamtliche im Einsatz. Für das Leitungsteam kommen noch bürokratische Aufgaben hinzu. Für Edwin Müller, der aus der Klinikseelsorge kommt, gehört zum Ausgleich auch, dass man lernt, mit Stress umzugehen. Die Erfahrungen, die er gemacht habe, zeigen, dass Dinge passieren, die dem eigentlichen Weltbild nicht entsprechen. Darunter auch der Tod eines Kindes, der Teil der Realität sei und als Notfallseelsorger müsse man damit umgehen können.

Die Notfallseelsorger sind über die Kreisgrenzen bekannt, engagieren sich seit Gründung für die Thematik, auch bundesweit, sagt Weinmann. Außerdem waren sie es, die den Klassenkameraden vom Unfalltod eines Mitschülers berichtet haben. Die schulpsychologische Beratungsstelle und Schulamtsleiter Gernot Schultheiß verlassen sich in solchen Fällen auf die Fähigkeiten der Notfallseelsorger.

entnommen aus: https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-sigmaringen/sigmaringen_artikel,-notfallseelsorger-wenn-der-tod-zum-alltag-gehoert-_arid,11287460.html

Leitungsteam der NFS im Amt bestätigt

Am 1. Oktober 2020 fanden im Rahmen der Sektionsversammlung der diensthabenden Notfallseelsorger*innen die Wahl der Leitung statt. Edwin Müller, Winfried Fritz und Franz Gnant wurden als Leitung der Sektion Notfallseelsorge einstimmig wiedergewählt. Sie bilden somit für weitere 2 Jahre gemeinsam mit der Vertretung Einsatzkräfteschulung Elke Gehrling und dem Fachlichen Leiter SbE-Team Bernd Weinmann, das Leitungsteam der Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge.

vlnr: Franz Gnant, Bernd Weinmann, Elke Gehrling, Winfried Fritz, Edwin Müller

Nach einem Rückblick auf die Arbeit der zurückliegenden Monate, wurden allen Notfallseelsorgerinnen mit allen Notfallseelsorgerinnen nochmals die Standards für die Einsätze unter Pandemiebedingungen besprochen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Notfallseelsorge auch in schwierigen Seiten Menschen in Not beistehen zu können, ohne dass sich die Fachkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung selbst zu sehr einer Gefährdung aussetzen und bestmöglich schützen.

Sektionsversammlung der Notfallseelsorger*innen
Sektionsversammlung der Notfallseelsorger*innen

Unterstützung der Notfallseelsorge durch Weihnachtsspendenaktion

Frau Wahlwiener übergibt den Spendenerlös aus der Bastelaktion an das Leitungsteam der Notfallseelsorge

Eine Spende konnte das Leitungsteam der Notfallseelsorge zu Beginn des Jahres von Frau Wahlwiener entgegennehmen. Im Rahmen des 8. Gögemer Adventszaubers hatte sie, mit den zahlreichen von ihr erstellten Bastelarbeiten, 400,- Euro an Spendengeldern für die Notfallseelsorge sammeln können. Das Leitungsteam der Notfallseesorge dankte ihr ganz herzlich, da auch in diesem Jahr wieder neue Männer und Frauen sich zum /zur Notfallseelsorger*in ausbilden lassen. Für die Ausstattung dieser neuen Notfallseelsorger*innen kommen wieder erhebliche Kosten auf die Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge zu, so dass dafür die Spende gut eingesetzt werden kann. Die Psychosoziale Notfallversorgung im Landkreis Sigmaringen finanziert sich ausschließlich über Spenden und Aktionen. Mit diesen Geldern werden dann die laufenden Kosten der ehrenamtlichen Notfallseelsorger*innen das Jahr über bestritten.

Der Spendenscheck von Frau Wahlwiener

„Begleitung von Einsatzkräften nach Suizid“ vom Lions-Club Sigmaringen-Hohenzollern unterstützt!

Über Suizid zu reden ist in unserer Gesellschaft nach wie vor Tabu. Obwohl es 2018 fast 10.000 Todesfälle durch Suizid gab (zum Vergleich: 2018 gab es ca. 3600 Tote durch Verkehrsunfälle) wird in der Öffentlichkeit darüber nur sehr ungern gesprochen.

Auch bei Einsatzkräften der Feuerwehren, des Rettungsdienstes und der Polizei können Suizide vorkommen. Neben den Angehörigen leiden auch die Kolleginnen und Kollegen, die Kameradinnen und Kameraden unter den Ereignissen und sind dankbar für kompetente und verlässliche Unterstützung. Was aber ist dabei wichtig? Auf welche Personen und Gruppen ist dabei besonders zu achten? Welche unterstützenden Maßnahmen sind sinnvoll? Wer ist für die Durchführung verantwortlich? Wann sind welche Maßnahmen angesagt?

Diesen Fragen stellte sich das SbE-Team (SbE=Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen) der Notfallseelsorge im Landkreis Sigmaringen in einer zweitägigen Schulung am 17. und 18. Januar 2020 in Veringendorf. Hanns-Peter Neumann, Polizeiseelsorger und Beauftragter für die Notfallseelsorge in Mecklenburg-Vorpommern war im Auftrag der Bundesvereinigung SbE eigens aus seinem Heimatort Stralsund nach Veringendorf gekommen, um die Fortbildung zum Thema: „Maßnahmen nach dem Suizid von Kameraden“ mit dem SbE-Team Sigmaringen durchzuführen.

Die Fachweiterbildung wurde dem SbE-Team der Notfallseelsorge durch eine sehr großzügige Spende des Lions-Club Sigmaringen ermöglicht. Das Foto zeigt das SbE-Team Sigmaringen sowie vom Lions-Club den Präsidenten Wolfgang Kabus und Dr. Axel Storkenmaier. Der Präsident bekommt vom SbE-Team das „Danke-Schild“ mit dem Logo der Notfallseelsorge überreicht.

Notfallseelsorgerin fährt 500sten Einsatz

In den frühen Morgenstunden des 11.11.2019 wurde Notfallseelsorgerin Elke Gehrling zu ihrem 500sten Einsatz gerufen. Gemeinsam mit den Kameraden FFW Bingen war Frau Gehrling im Rahmen eines Verkehrsunfall tätig. Wir danken unserer Kollegin für die zahlreichen Einsätze und vielen übernommenen Bereitschaftszeiten in den vergangenen 19 Jahren.

Notfallseelsorgerin Elke Gehrling (zweite von links) bei ihrem 500sten Einsatz. Mit auf dem Bild: Kameraden der FFW Bingen.

SbE-Übungstag mit ENT-Konstanz

Das SbE-Team Sigmaringen hat auch in diesem Jahr ihren gemeinsamen Übungstag mit dem Einsatznachsorgeteam Konstanz (ENT-Konstanz) durchgeführt. Die beiden Teams betreuen Einsatzkräfte nach belastenden Ereignissen, sind beide nach den gleichen Standards ausgebildet und unterstützen sich im Einsatzfall gegenseitig.

Edwin Müller wird das Bundesverdienstkreuz verliehen

Heute wurde Notfallseelsorger Edwin Müller durch Frau Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Nicole Hoffmeister-Kraut, im Namen des Bundespräsidenten Frank-Walter-Steinmeier, das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Edwin Müller ist nicht nur im Landkreis Sigmaringen als Notfallseelsorger aktiv, sondern bringt seine Fachkompetenz in zahlreichen Arbeitskreisen und Ausschüssen auf Landes- und Bundesebene mit ein.
Die NotfallseelsorgerInnen des Landkreises Sigmaringen gratulieren zu dieser außergewöhnlichen und hohen Auszeichnung. Wir freuen uns, dass das langjährige Wirken und Vernetzen von Notfallseelsorger Edwin Müller zum Wohle anderer Menschen so eine entsprechende Würdigung der geleisteten Arbeit erfährt.

Neue Leiter / Fachberater PSNV ausgebildet

Elke Gehrling und Ralf Pröbstle absolvierten für die Notfallseelsorge Sigmaringen in Pfalzgrafenweiler an der DRK-Landesschule den Führungskurs: Leiter / Fachberater PSNV. Damit sind nun bereits sechs Mitglieder der Führungsgruppe qualifiziert und können bei überregionalen Ereignissen als Leiter PSNV eingesetzt werden.